EXECUTIVE THINKTANK
Der Strategie-Talk & Erfahrungsaustausch für IT-Executives
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DIGITALISIERUNG, PRODUKTIVITÄT
& PROFITABILITÄT:

Digitalisierung stellt per se noch keinen Mehrwert dar

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Wie hängen Produktivität und Profitabilität in den Unternehmen zusammen?


Die Basis für eine interessante Diskussion bildeten Facts: eine von Canon in Auftrag gegebene Studie zum Thema „Produktivität und Effizienz”: Darin befragte ICM 3.800 Personen aus 24 Märkten in Europa und Russland in den unterschiedlichsten Branchen, Unternehmensbereichen und Rollen. Die Ergebnisse zeigen, dass Aufholbedarf besteht: Fast 50% der befragten Non-Manager wussten nicht, welchen konkreten Einfluss die täglich genutzten Informationen auf die Profitabilität des Unternehmens haben. Dafür schätzt man im Durchschnitt, dass jeder Mitarbeiter rund 25 Minuten täglich für die Suche nach Informationen aufwendet. 50% der Befragten glauben, automatisierte digitale Tools und Prozesse würden helfen die Produktivität zu verbessern.

Aber wie können die IT und die Digitalisierung dieses Potenzial in der Praxis tatsächlich freimachen? Diese und eine Reihe anderer Fragen diskutierten die Teilnehmer des Roundtables, zu dem der CIO GUIDE und Canon Austria geladen hatten und die von Andreas Hajek, Mitherausgeber des CIO GUIDE und Experte für digitale Transformation, moderiert wurde. Mit dabei:  Walter Fraißler, CIO des VERBUND, Hannes Gutmeier, CIO der Conwert Immobilien, Johann Kalhs, Technologiemanager und Enterprise Architect des Bundesrechenzentrums, Timo Krauss, Senior Management Consultant bei Canon Europe, Johannes Kulovits, CIO des österreichischen Staatsarchivs, Harald Marx, Business Development Manager bei Canon Österreich, Robert Redl, CIO der EVN AG, Hannes Ruess, CIO der Lenzing AG, und Michael Ruth, Leiter IT des bfi Wien.

"Digitalization ist nicht nur eine Frage von neuen Technologien"

Walter Fraißler,
CIO VERBUND

Die weitaus größere Veränderung als die technologische betrifft das Mindset. Daher ist es wichtig, eine Digitaliserungs-Strategie sehr strukturiert aus einer ganzheitlichen Sicht heraus anzulegen und dabei auch die notwendige Administration darum herum, die nötigen Schulungen und das Thema Usabilty entsprechend zu berücksichtigen. Die ganzheitliche Sicht ist natürlich auch für die Bewertung des Nutzens nötig, den solche Projekte bringen. Größere Prozessveränderungen können sich zu beträchtlichen Einsparungsbeträgen für ein Unternehmen hochsummieren, und so einen tragfähigen ‚Business Case‘ für ein Digitalisierungsprojekt bilden.

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"Digitalisierung ist längst Teil des mobile Arbeitsalltages"

Hannes Gutmeier,
CIO Conwert Immobilien

In der Immobilienbranche agieren wir in einem hochgradig durch Mobilität und Digitalisierung geprägten stark globalisierten Bereich, in dem nahezu sämtliche Informationen, bis hin zum Posteingang über Cloud-Systeme, digitalisiert sind. Einzig die Detailpläne der Wohnungen sind noch nicht digital, was eine Entscheidung aus Effizienz- und rechtlichen Gründen war. Dies erlaubt allen Mitarbeitern einen mobilen Zugriff auf digitalisierte Informationen. Natürlich müssen die Leute schon auch bis zu einem gewissen Grad selbst wissen, wo sie was suchen.

"Die Erwartungen an digitale Services wachsen"

Johannes Kalhs,
Technologiemanager Bundesrechenzentrum

Effizienz und Produktivität werden immer wichtiger – und die Digitalisierung ist dabei ein zentraler Faktor: Mit der zunehmenden Einbindung der Bürger im Rahmen von Open Data und Government 4.0 und der wachsenden Zahl an Diensten, die digital zur Verfügung gestellt werden, wachsen auch die Sensibilität und der Bedarf der Benutzer für produktive und effiziente Abläufe. Mobilität und mobile Dienste werden vom Bürger sehr gut angenommen und die Erwartungshaltung besteht, hier den Mehrwert etwa durch weniger Amtswege, kürzere Prozesse und Durchlaufzeiten sowie übergreifende Zusammenarbeit innerhalb des öffentlichen Bereichs, aber auch mit der Privatwirtschaft, weiter zu heben – und damit auch eGovernment in die nächste Phase zu bringen.

"Digitalisierung ist der Motor für Transformation"

Timo Krauss,
Senior Management Consultant Canon Europe

Verschiedenste Industrien stehen heute vor dieser Herausforderung im Wandel zwischen Papier und rein digitaler Dokumentation. Fast jede Branche hat heute eigene Regularien, Validierungen und Qualitätssicherungen und ist gefordert, diese Informationen in zum Teil abgegrenzten bis proprietären Systemen in ein neues, umfassenderes Datenmodell zu integrieren. Noch wichtiger aber ist es, den Anwendern einen einfachen und sicheren Zugang zu den für sie relevanten Informationen zu gewährleisten, damit die Produktivitäts-und Profitabilitätspotenziale voll genutzt werden.

"Informationen sind ein öffentliches Gut"

Johannes Kulovits,
CIO Österreichisches Staatsarchiv

Archive sind seit jeher der Inbegriff für Orte, an denen man nach Informationen sucht, deshalb ist Digitalisierung heute unser tägliche Geschäft: Das Hauptaugenmerk liegt bei uns auf der digitalen Langzeit-Archivierung und Migration von Formaten und Akten mit unterschiedlichsten Informationen. Dabei ergibt sich die Authentizität in vielen Fällen aus der digitalen Applikation, beziehungsweise deren Version, und aus den Daten gemeinsam. Das ist vor allem bei sogenannten pure-digital Informationen essenziell, die nur mehr in digitaler Form vorliegen. Ziel ist es aber, Datenarchive nicht nur zu digitalisieren, sondern auch für den öffentlichen Bereich besser nutzbar zu machen. Wir arbeiten dazu stark mit der Privatwirtschaft zusammen.

"Wir bemerken einen Will-haben-Effekt"

Harald Marx,
Business Development Manager Canon

Viele haben ein Tool irgendwo in den Medien oder in anderen Unternehmen gesehen und werden auch ein wenig vom Digitalisierungs-Hype erfasst. Deshalb werden relativ viele Projekte gestartet. Letztlich werden in der Regel aber nur die Projekte erfolgreich zu Ende geführt, die wirklich Nutzen bringen. Allerdings schlägt sich der nicht immer sofort in Form von Zahlen nieder. Natürlich versucht man auch bei neuen digitalen Innovationen im Vorfeld Business Cases zu erstellen, etwa über Prozesskostenanalysen. Aber manchmal steht zum Beispiel die Optimierung der Qualität der Kunden-Services oder die Gestaltung eines komplett neuen Services im Vordergrund.

"Digitalisierung ist eine Definitionssache"

Robert Redl,
CIO EVN AG

Es gibt wieder einmal, wie bei solchen Begrifflichkeiten ja öfters, eine riesige Bandbreite wie man das Thema Digitalisierung definiert, was man darunter versteht und was man da alles reinpackt oder eben auch nicht. Einerseits ist von neuen Geschäftsmöglichkeiten und innovativen digitalen Kundenservices die Rede, andererseits stehen viele noch bei der Digitalisierung von analogen Daten – auch wenn langfristig natürlich auch dort das Ziel ist, Prozesse dadurch effizienter zu gestalten. Deshalb gibt es auch eine Unzahl technischer Tools für verschiedene Ansätze und damit stehe ich als IT am Ende des Tages so wie bei früheren Hypes wieder vor der Frage:Wie füge ich das alles zusammen?

"Produktivität lässt sich nicht per Knopfdruck steigern"

Hannes Ruess,
CIO Lenzing AG

Digitalisierung bedeutet nicht automatisch auch höhere Profitabilität, Produktivitätssteigerungen sind nur durch professionelle Nutzung der Tools und eine entsprechende vorhergehende Schulung möglich. Es gibt viele Lösungen, die im guten Glauben für gesteigerte Produktivität eingeführt werden, aber oft endet das Einführungsprojekt mit dem Go-live und es wird zu wenig Augenmerk auf eine anwenderspezifische Schulung zur produktiven Nutzung gelegt. Das Potenzial der Lösungen bleibt somit oft ungenutzt. Ich sehe hier Bedarf, das Thema Industrie 4.0 zu entmystifizieren: Wir bremsen hier bewusst, da viele Hersteller versuchen, auf diesen Zug aufzuspringen und sämtliche Anlagenkomponenten mit Netzwerk-Schnittstellen via Internet zu versehen. Solange da aber Sicherheitsfragen ungeklärt sind, nehmen wir die Maschinen vom Netz, um Industriespionage vorzubeugen.

"Die Dinge müssen für die User einfacher werden"

Michael Ruth,
Leiter IT bfi Wien

Eine große Herausforderung ist es aus meiner Sicht, greifbare Ziele zu definieren und dabei den eigentlichen Zweck der Digitalisierung, nämlich die Simplifizierung, nicht unter den Tisch fallen zu lassen. Die Dinge sollen für die User doch einfacher und nicht komplizierter werden und eine hohe Akzeptanz erzielen. In unserem Fall bedeutet das beispielsweise, dass unsere Lehrenden nicht automatisch digitalisierte Schulungsprogramme einsetzen, nur, weil sie jetzt zur Verfügung stehen, sondern nur dann, wenn sie meinen, dass ihre Arbeit dadurch leichter wird.